Menschen & Politik · Westermann · Sek. I Gymnasium

Gesellschaft
im Diskurs

Drei gesellschaftspolitische Themen — auf Basis des Lehrbuches strukturiert und anschaulich aufbereitet.

Quellenbasiert: Westermann Schulbuch
01
Ökonomisierung
02
Jugendkriminalität
03
Nachhaltigkeit

01 — Ökonomisierung

Alles dreht sich
ums Geld.

Marktlogik dringt in immer mehr Lebensbereiche ein — Bildung, Gesundheit, Wohnen. Was passiert, wenn alles einen Preis hat?

Kapitalismus Neoliberalismus Commodification Soziale Ungleichheit Gini-Koeffizient
Was ist Ökonomisierung?
Markt statt Gemeinwohl
Karl Polanyi beschrieb es als „Dis-Einbettung": Der Markt löst sich aus gesellschaftlichen Kontrollstrukturen und unterwirft andere Bereiche seiner Logik — Effizienz, Konkurrenz, Profit.
Bourdieu'sche Kritik
Kapital ist ungleich verteilt
Ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital sind von Geburt an ungleich verteilt. Das Meritokratie-Versprechen — wer arbeitet, kommt weiter — verschleiert diese Startungleichheit.
Folge
Wachsende Schere
Die reichsten 10 % besitzen über 75 % des globalen Vermögens. In Deutschland stagnieren Reallöhne im unteren Quartil seit Jahrzehnten — während Vermögen oben wachsen.
Lösungsansätze
Rückbindung an Gesellschaft
Progressive Vermögenssteuer, Rekommunalisierung privatisierter Infrastruktur, Stärkung kollektiver Daseinsvorsorge — Markt ja, aber eingebettet in gesellschaftliche Kontrolle.
75 %
des Weltvermögens beim reichsten Dezil
0,29
Gini-Koeffizient Deutschland — steigend
↑ real
Kapitalrendite übersteigt Lohnwachstum seit 1980
💡
„Wenn der Markt alles regelt, gewinnen die, die schon vorne starten." — Strukturkritik an meritokratischen Narrativen

02 — Jugendkriminalität

Kriminalität:
jugendtypisches Verhalten?

Die Kriminalität in Deutschland wird seltener. Dieser Befund scheint dem Gefühl vieler Menschen zu widersprechen — doch die Daten sind eindeutig.

Westermann · Kap. 3: Kriminalität: jugendtypisches Verhalten?
Jugendtypisches Verhalten Warnschussarrest Legasthenie Rückgang der Kriminalität Perspektive & Aggression
Fallbeispiel aus dem Lehrbuch — Sexting & jugendtypisches Verhalten
Ein 20-Jähriger schickte einem 15-jährigen Mädchen über WhatsApp pornografisches Material und Nacktbilder. Das Amtsgericht stufte dies als „jugendtypisches Verhalten" ein, da der Angeklagte an einer ausgeprägten Legasthenie leidet und seit seiner Kindheit biografisch belastet ist. Statt Haft verurteilte ihn das Gericht zur Teilnahme am Leseprojekt „Kontext": An fünf Terminen, insgesamt 27,5 Stunden, musste er unter Aufsicht eines Sozialpädagogen ein Buch lesen und darüber sprechen. — Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass WhatsApp-Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige strafbar ist.
„Kriminalität in Deutschland wird seltener. Man geht eher von einem Kriminalitätsanstieg aus — doch Jugendkriminalität gibt es seit längerer Zeit rückläufig." Westermann, Menschen & Politik, Kap. 3
Studie zur Jugendkriminalität
Rückgang seit 2007
Zwischen 2007 und 2013 sank der Anteil junger Tatverdächtiger um 50,4 %. Die Zahlen gingen weiter zurück. Die Brutalität ging früher aber nicht so klar zurück — seit 2013 auch dort abnehmend.
Bayern-Studie 2017
Gewalt halbiert
Das Landeskriminalamt Bayern stellte fest: Die Quote von Gewalt unter Jugendlichen sank von 10,8 % auf 6,8 % zwischen 2004 und 2016 — eine Halbierung innerhalb eines Jahrzehnts.
Erklärungsansatz
Perspektive schützt
Das Buch nennt als stärksten Erklärungsansatz: „Wo junge Menschen eine Perspektive haben, entwickeln sie seltener Aggressionen." Jugendarbeitslosigkeit ist deutlich gesunken.
Risikofaktoren laut Studie
Herkunft & Umfeld
Biografische Merkmale korrelieren am stärksten mit Gewalt: Herkunft, Wohnlage, Wohlstand, Bildung — und ein Aufwachsen mit Gewalt im Elternhaus (57 % der befragten Schüler berichteten davon, vor 20 Jahren noch 39 %).
−50,4 %
Tatverdächtige Jugendliche 2007–2013
6,8 %
Gewaltquote Bayern 2016 — vorher 10,8 %
↓ Trend
Jugendkriminalität seit über einem Jahrzehnt rückläufig
🔍
„Mehr Liebe, weniger Hiebe" — Süddeutsche Zeitung über die Ursachen des Rückgangs der Jugendkriminalität

03 — Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit —
Was ist das eigentlich?

Nachhaltigkeit ist allgegenwärtig — in den Medien, in politischen Debatten, in der Wirtschaft. Doch so einfach zu fassen, wie es auf den ersten Blick scheint, ist sie nicht.

Westermann · Kap. 2: Nachhaltigkeit – Was ist das eigentlich?
Drei Dimensionen Dreieck der Nachhaltigkeit Regenerativ Carl von Carlowitz Zukunftsfrage
„Nachhaltigkeit in all ihren Facetten zu ermöglichen, ist eine der großen Zukunftsfragen." Westermann, Menschen & Politik, Kap. 2
Ökonomie Ökologie Soziales Nachhaltigkeit
⚖️
Ökonomie (Wirtschaft)
Nachhaltig, wenn zukunftsorientiert entwickelt, Ressourcen schonend produziert und letztlich auch so konsumiert wird. Wirtschaft darf nicht auf Kosten der Zukunft wachsen.
🌿
Ökologie (Natur)
Thematisiert den Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Ursprung des Begriffs: Carl von Carlowitz forderte im 18. Jh. regenerative Nutzung des Waldes — nur so viel schlagen, wie nachwächst.
🤝
Soziales (Gesellschaft)
Legt den Fokus auf das Miteinander innerhalb einer Gesellschaft — Gerechtigkeit, Armutsvermeidung, Teilhabe. „Immer mehr Kinder leben in Armut" ist eine soziale Nachhaltigkeitsfrage.
Ursprung des Begriffs
Carl von Carlowitz, 1713
Der Berghauptmann forderte in der Forstwirtschaft eine „kluge, nachhaltende Nutzung des Waldes": ein regeneratives, natürliches Gleichgewicht, das dauerhaft erhalten bleibt. Das Prinzip gilt heute für alle Ressourcen.
INFO aus dem Buch
Was bedeutet „regenerativ"?
Regenerativ meint: natürliche Wiederherstellung, erneute Bildung, Entstehung. Die Natur soll sich gewissermaßen selbst erneuern können — Grundbedingung jeder nachhaltigen Nutzung.
3
Dimensionen: Ökologie, Ökonomie, Soziales
1713
Erster Beleg des Nachhaltigkeitsprinzips (von Carlowitz)
„Eine der großen Zukunftsfragen" — Westermann
🌍
Nachhaltigkeit umfasst gleich drei Bereiche, die sich gegenseitig beeinflussen — und Antworten zu finden ist eine der größten Zukunftsfragen unserer Zeit.